Super-8-Film besteht aus Zellulosetriacetat — einer Kunststoffverbindung, die nie darauf ausgelegt war, ein Jahrhundert zu überdauern. Über Jahrzehnte hinweg durchläuft die Acetatbasis einen langsamen chemischen Zerfall, der als „Essigsäuresyndrom" bezeichnet wird — benannt nach dem charakteristischen Essiggeruch, den sie beim Abbau entwickelt.
Wenn das Essigsäuresyndrom einmal eingesetzt hat, beschleunigt es sich. Die Filmbasis schrumpft, verwirft sich und wird brüchig. Klebestellen lösen sich. Perforationslöcher reißen ein. Die Emulsionsschicht — in der sich das eigentliche Bild befindet — hebt sich von der Basis ab und verursacht dauerhafte Bildverzerrungen. In fortgeschrittenen Fällen wird der Film so brüchig, dass er bei der Handhabung zerbricht.
Farbfilm leidet zusätzlich unter dem Ausbleichen der Farbstoffe. Die charakteristischen warmen Töne von Kodachrome verschieben sich ins Magenta, weil die Cyan-Schicht zuerst verfällt. Ektachrome verliert an Kontrast und entwickelt Farbstiche. Fujifilm-Material neigt dazu, ins Grün zu kippen. Diese Farbverschiebungen sind im Originalfilm dauerhaft — können aber beim digitalen Scannen korrigiert werden.
Rollen, die in warmen, feuchten Umgebungen (Dachböden, Garagen, Schuppen) gelagert werden, verfallen dramatisch schneller als solche in kühlen, trockenen Bedingungen. Aber selbst gut gelagerter Film lebt auf geborgter Zeit — der chemische Prozess ist unvermeidlich, nur die Geschwindigkeit variiert.