Betamax-Kassetten verwenden dieselbe grundlegende Chemie wie VHS — Eisenoxidpartikel, die mit einem Polyurethan-Bindemittel an eine Polyesterbasis gebunden sind. Sie leiden also unter derselben Bindemittelhydrolyse, die wir in unserem VHS-Leitfaden beschreiben: Das Bindemittel nimmt Feuchtigkeit auf, zerfällt und führt schließlich zum Klebebandsyndrom (sticky shed syndrome). Beta-Kassetten aus den Jahren 1975 bis 2002 sind heute zwischen 22 und 50 Jahre alt und damit weit im Ausfallzeitfenster.
Was Betamax jedoch einzigartig macht, ist das mechanische Design. Beta verwendet einen „U-Load"-Bandpfad — das Band wickelt sich in U-Form um die Kopftrommel, was das Band stärker beansprucht als der „M-Load"-Pfad von VHS. Das verschaffte Beta die bessere Bildqualität, nutzte das Band aber auch bei jeder einzelnen Wiedergabe stärker ab. Eine Beta-Kassette, die Dutzende Male abgespielt wurde, hat mehr mechanischen Verschleiß angesammelt als eine gleichaltrige VHS-Kassette.
Betamax-Aufnahmen haben zudem eine höhere Informationsdichte als VHS — Beta packte mehr Signal auf dieselbe physische Bandfläche. Das bedeutet: Jeder Signalverlust ist bei Beta dramatischer als bei VHS. Eine geringe Bindemittelverschlechterung, die auf VHS kaum sichtbar wäre, kann auf einer Beta-Kassette Bilddetails komplett zerstören.
Das dritte Problem ist das Wiedergabegerät. Sony stellte die Betamax-Produktion 2002 ein, und die professionelle Sony-SL-HF-Serie ist heute rar. Die meisten Digitalisierungsdienste besitzen überhaupt keine funktionierenden Beta-Decks mehr und lehnen Beta-Kassetten komplett ab.